Der systemische Ansatz

Vor einer ganzen Weile schon wurde ich zu Beginn eines Workshops zum Thema Zeitmanagement mit der Aussage konfrontiert “Sie arbeiten ja gar nicht systemisch”. Diese Aussage hat mich beschäftigt und ich habe mir Gedanken gemacht, was bedeutet “systemisches Arbeiten” denn genau. Und wann setze ich das überhaupt ein.

Das Konzept des systemischen Ansatzes ist für viele nicht deutlich. Systemisch bedeutet nichts weiter, als dass eine gewisse Gruppe von Menschen ein System bildet. In der Beratung und im Training gibt es zahlreiche Ansätze und Methoden, die Menschen dabei unterstützen, ihre Herausforderungen zu bewältigen. Einer der einflussreichsten und zugleich faszinierendsten ist sicherlich der systemische Ansatz. Dieser basiert auf der Annahme, dass Individuen und ihre Probleme im Kontext ihrer sozialen Systeme verstanden werden müssen. Dies bedeutet, dass nicht nur die Person selbst betrachtet wird, sondern auch die Beziehungen, Interaktionen und Dynamiken innerhalb ihrer sozialen Umgebung, wie Familie, Freunde, Kollegen und andere relevante Gruppen. Hier sind einige zentrale Aspekte des systemischen Beratungsansatzes:

  • Systemisches Denken:
    Es wird davon ausgegangen, dass Menschen Teil komplexer Systeme sind. Veränderungen in einem Teil des Systems können Auswirkungen auf andere Teile haben. Deswegen wird der Fokus auf Wechselwirkungen und Beziehungen gelegt.
  • Ressourcenorientierung:
    Systemische Beratung legt Wert auf die Ressourcen und Stärken der Klienten, anstatt nur auf Probleme und Schwächen zu schauen. Das Ziel ist es, Lösungen zu finden und die Handlungsmöglichkeiten der Klienten zu erweitern.
  • Konstruktivismus:
    Der Ansatz geht davon aus, dass Realität konstruiert ist und unterschiedliche Perspektiven und Bedeutungen existieren. Klienten werden ermutigt, ihre eigenen Sichtweisen zu reflektieren und neue Bedeutungen zu entwickeln.
  • Zielorientierung:
    Systemische Beratung ist oft zielorientiert und sucht gemeinsam mit den Klienten nach konkreten Zielen und Veränderungen, die erreicht werden sollen.
  • Dialogische Beziehung:
    Die Beziehung zwischen Berater und Klient ist von Dialog und Kooperation geprägt. Der Berater tritt als Partner auf, der die Klienten in ihrem Prozess unterstützt, anstatt Lösungen zu präsentieren oder Ratschläge zu erteilen.
  • Hypothetische Fragen:
    Systemische Berater verwenden oft hypothetische Fragen, um Klienten zu neuen Einsichten und Perspektiven zu verhelfen. Diese Fragen helfen, alternative Möglichkeiten und Lösungen zu erkunden.
  • Interventionen:
    Systemische Beratung kann verschiedene Interventionen enthalten, wie z.B. das Erarbeiten von Genogrammen (Familienbaum) zur Visualisierung von Familienbeziehungen oder das Durchspielen von Konfliktsituationen.

Fazit

Insgesamt zielt der systemische Ansatz darauf ab, Klienten dabei zu unterstützen, ihre Probleme in einem größeren Kontext zu sehen und konstruktive Veränderungen in ihren Beziehungen und Lebenssituationen herbeizuführen. Durch die Integration von individueller und systemischer Sichtweise können nachhaltig positive Veränderungen erzielt werden, die über die rein persönliche Ebene hinausreichen. Der systemische Ansatz ist ein wertvolles Werkzeug in Beratungen. Der systemische Ansatz kann Bestandteil von Workshops sein, z.B. in Team-Workshops ist der Einsatz sinnvoll.

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